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MIDI-Controller


typischer DJ-MIDI-Controller in einem Hardcase
Einführung
MIDI-Controller sind keine echten Wiedergabegeräte. Dazu muss man zu aller erst verstehen, was MIDI bedeutet. MIDI steht für „Musical Instrument Digital Interface“, was etwas so viel heißt wie „digitale Schnittstelle für Musikinstrumente“. Über das standardisierte MIDI-Signal können verschiedene Musikinstrumente mit einander kommunizieren. Ein MIDI-Controller ist in unserem Fall also ein Bediengerät, mit Hilfe dessen man die Funktionen einer DJ-Software steuern kann. Daraus ergibt sich im Umkehrschluss auch, dass ein MIDI-Controller allein zu nichts taugt. Er sendet lediglich Steuerbefehle. Ist am anderen Ende der Verbindung kein Gerät vorhanden, dass diese Befehle sinnvoll in eine Funktion umsetzen kann, ist die Nutzung eines solchen Controllers nicht möglich.

Ein MIDI-Controller funktioniert in Kombination mit einer Software nur dann, wenn mindestens zwei Dinge gegeben sind:  
  1. Der Controller wurde mittels Treiber an dem genutzten PC, Laptop oder MAC installiert und wird somit als externes Gerät überhaupt erkannt.
  2. Es wurde ein passendes MIDI-Mapping für die Kombination aus Controller und Software installiert.

Gegebenenfalls muss als dritte Komponente auch noch ein Audiotreiber (in der Regel ASIO) installiert werden.

Was ist ein MIDI-Mapping?  
Unser Controller sendet wie bereits erwähnt lediglich MIDI-Signale. Das sind grundsätzlich jedoch nur wirre Kombinationen aus Zahlen und Buchstaben. Diese Steuerbefehle für sich lösen noch keine Reaktion bei der DJ-Software aus. Drückt man also z.B. den Play-Button des Decks A, sendet der Controller z.B. den Befehl „G16“. Der DJ-Software muss nun einmalig beigebracht werden, dass sie beim Empfang des Befehls „G16“ das Deck A starten soll. Wird ihr das nicht beigebracht, geschieht beim Drücken des Buttons rein gar nichts. Die Summe aus allen Steuerbefehlen und deren „Übersetzung“ nennt man MIDI-Mapping.

Für jede Kombination aus Controller und DJ-Software gibt es ein individuelles Mapping. Wird dieses vom Hersteller des Controllers oder der DJ-Software nicht zur Verfügung gestellt, bleibt dem Nutzer nichts anderes übrig als das passende Mapping selbst zu erstellen. Dies ist jedoch eine sehr zeitaufwändige und komplexe Aufgabe, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll, zumal sich die Programmierung eines solchen Mappings auch von Software zu Software unterscheidet.

Es gibt sowohl MIDI-IN- als auch MIDI-OUT-Befehle. Während die MIDI-IN-Befehle der Software sagen, was sie tun soll, sagen die MIDI-OUT-Befehle dem Controller dass z.B. der Playbutton leuchten soll.

Man kann mehrere MIDI-Controller gleichzeitig an ein und derselben Software nutzten. Dabei ist es sogar möglich mehrere identische Controller zu nutzen. Diese werden grundsätzlich von der Software erkannt, sodass man z.B. das linke Deck mit dem einen und das rechte Deck mit dem anderen (baugleichen) Controller nutzen kann.

Betreibt man mehrere unterschiedliche Controller an ein und derselben Software kann es zu Störungen kommen. Teilweise senden unterschiedliche Controller verschiedener Hersteller dieselben MIDI-Befehle. Ist der Befehl „G16“ in dem einen Mapping mit der Funktion „Play Deck A“ und in dem Mapping des anderen Controllers mit der Funktion „CUE Deck B“ verknüpft, stören sich die Mappings und die Software weiß nicht, welchem Befehl sie den Vorrang geben soll. In diesen Fällen ist es nur möglich die Controller getrennt voneinander, also nicht gleichzeitig zu benutzen. Ob sich zwei unterschiedliche Controller stören, weiß man erst, wenn man sie gemeinsam angeschlossen hat.

Produktübersicht
MIDI-Controller gibt es in diversen Ausführungen, z.B. als klassisches Keyboard, als reine Ansammlung mehrere Pads oder als Ansammlung mehrerer Potentiometer. Sie lassen sich mit einer Vielzahl von Softwares und Geräten kombinieren. Ich möchte mich hier auf die häufige Nutzung in Kombination mit DJ-Softwares konzentrieren.

Als gängiges Layout für MIDI-Controller im DJ-Sektor haben sich Geräte etabliert, die optisch aus drei gegeneinander abgegrenzten Bereichen bestehen. Dabei dienen meist die beiden äußeren Bereiche des Controllers zur Steuerung zweier Trackdecks mit zwei Jogwheels, Pitchfadern und (Hot-)CUE-Buttons. Der innere Bereich, der als Mischpult fungiert, ist mit Linefadern, Equalizer und Effektfunktion ausgerüstet. Wie bereits erwähnt ist dabei zu beachten, dass ein MIDI-Controller allein in der Regel nicht einmal in der Lage ist eine Frequenzanpassung im Equalizer vorzunehmen. Die Potentiometer der Mischpultsektion sind lediglich in der Lage einen Steuerbefehl an die DJ-Software zu senden, nicht jedoch das Musiksignal selbst zu bearbeiten. Hochwertige MIDI-Controller können teilweise auch als „echtes“ Mischpult eingesetzt werden.


DJ-MIDI-Controller im Setup eines Mobile-DJs

Audiostreaming
Wir haben uns bis hier her mit der Kommunikation zwischen Controller und DJ-Software befasst sowie den theoretischen Grundlagen. MIDI-Controller werden von DJs aber fast ausschließlich dafür genutzt, um die erstellten Musikmixe auch Publikum zu präsentieren, aufzunehmen oder in einem (Online-)Streaming z.B. in einem Internetradio live zu senden. Dafür muss das Musiksignal aus dem PC, Laptop oder MAC "herausgeholt" werden. Der Weg des Musiksignals nennt sich "Audiostreaming". Die einfachste Version, dies zu bewerkstelligen, ist es einen MIDI-Controller mit eingebautem Audio-Interface zu kaufen. Bei einem Interface handelt es sich um nichts anderes als eine (externe) Soundkarte. Warum ist solch eine Soundkarte nötig?

Nun, gehen wir einmal von einem klassischen Ansatz aus: Ein DJ möchte auf zwei separaten, virtuellen Decks in seiner Software zwei Titel mit einander mischen. Zusätzlich möchte er die Option haben neue Titel vorzuhören. Der Aufwand an auszugebenden Audiosignalen liegt somit bei vier Kanälen, nämlich zwei Kanälen für das fertig gemischte Mastersignal (Stereo, also rechts und links) und zwei Kanälen für das CUE-Signal (rechts + links). Nur die wenigsten PC bieten die Möglichkeit vier Audiokanäle getrennt voneinander auszugeben. Die internen Soundkarten können in der Regel lediglich ein Stereosignal, also zwei Kanäle ausgeben. Deshalb ist eine externe Soundkarte notwendig. Es sind Setups denkbar, in denen noch deutlich mehr Audiokanäle verarbeitet werden müssen. Dafür stehen Interfaces mit bis zu zehn Kanälen zur Verfügung.

Installation
MIDI-Controller benötigen fast immer einen Treiber. Dieser wird in der Regel auf CD mitgeliefert oder steht ansonsten als Download auf der Herstellerseite zur Verfügung.

Neben dem Treiber für den Controller selbst, wird in der Regel zusätzlich ein ASIO-Treiber für die Audioausgabe benötigt. Auch dieser wird vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

Als letzte Komponente muss gegebenenfalls noch das passende MIDI-Mapping in die Software importiert werden. (siehe dazu auch weiter oben) Dieser Import unterscheidet sich von Software zu Software und wird auf den Seiten der Hersteller erläutert.

Audiorouting
Sind die Treiber installiert, muss man seiner Software noch beibringen, wie sie die Audiosignale ausgeben soll. Verbinden wir einen MIDI-Controller, der über ein integriertes Interface verfügt, mit unserer DJ-Software, müssen wir der Software also noch beibringen, dass sie genau dieses Interface fortan als Soundkarte nutzen soll. Denn ursprünglich gibt der PC, Laptop oder MAC alle Audiodaten über seine interne Soundkarte aus. Man muss in der Software also das sogenannte „Audiorouting“ anpassen. In dieser Option wird der Software vorgegeben, an welchen Kanal welcher Soundkarte sie welches Audiosignal steuern soll. In unserem obigen Beispiel wäre das also „Master links“ auf „Kanal 1“, „Master rechts“ auf „Kanal 2“, „CUE“ links auf „Kanal 3“ und „CUE rechts“ auf „Kanal 4“. Erst dann werden die Audiosignale wie gewünscht ausgegeben.

Wie diese Einstellungen vorzunehmen sind weicht von Software zu Software stark ab, sodass dafür hier auf den Support des jeweiligen Herstellers verwiesen wird.

Kaufberatung
MIDI-Controller werden vor allem von Anfängern immer häufiger als Einstieg in das DJ-Business gesehen. Das ist nachvollziehbar, denn sie sind die logische Erweiterung für DJ-Softwares, mit denen heute beinahe jeder Einsteiger zuerst experimentiert.

Um sich für den passenden MIDI-Controller entscheiden zu können, ist es sinnvoll den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen. Viele Nachwuchstalente kaufen sich zuerst einen MIDI-Controller. Zu vielen Geräten bekommt man eine DJ-Software kostenlos mitgeliefert. Dabei handelt es sich jedoch fast ausnahmslos um sehr günstige Softwares oder um stark abgespeckte Testversionen der führenden Softwares, oft erkennbar durch den Zusatz „LE“ (Light Edition). Da der Controller nur so gut ist wie die Software, auf die er zugreift, macht es aber viel mehr Sinn sich erst für eine Software (in Vollversion) zu entscheiden und dann den passenden Controller zu kaufen. Denn viele Nutzer sind von der kostenlos mitgelieferten Software relativ schnell enttäuscht. Um den Funktionsumfang nachträglich zu erweitern wird dann in eine neue Software investiert, zu der der zuvor gekaufte Controller aber mitunter gar nicht mehr passt. So verschwendet man nur Geld. Also: erst die Software auswählen, dann den passenden Controller kaufen!

Woran erkenne ich den für mich passenden Controller? Von essentieller Bedeutung ist vor allem die Entscheidung, ob man mit dem Controller die Musik aus der Software auch an eine Musikanlage ausgeben können möchte oder nicht. Ist das der Fall, muss man sich für einen Controller mit integriertem Interface entscheiden. Ansonsten könnte man mit dem Gerät lediglich die Funktionen der Software steuern, die Musikausgabe müsste aber über den PC selbst erfolgen, was oft schwierig bis unmöglich ist oder minderwertig klingt.

Weiter von großer Bedeutung ist die Frage, ob die Bedienelemente des Controllers, also in der Regel Jogwheels, Buttons und Potis, alle gewünschten Funktionen meiner Software aufgreifen können. Es nützt mir nichts, wenn ich eine extrem leistungsfähige Software besitze, mein Controller jedoch nur einen Bruchteil der Funktionen steuern kann, da ihm schlichtweg die ausreichende Anzahl an Reglern fehlt. Da hilft es nur sich bereits im Vorfeld die Belegung des Controllers genau zu betrachten. Viele Controller verfügen über ein sogenanntes „Shift-Layer“, also eine zweite virtuelle Ebene, mit der jeder Button und Poti mit einer zweiten Funktion belegt werden kann. So kann ein kompaktes Gerät mitunter dennoch sehr viele Funktionen steuern.

Aus dem großen Umfang der Steuerungsmöglichkeiten bei einem MIDI-Controller ergibt sich leider oft auch eine Unübersichtlichkeit des Geräts. Je mehr Bedienelemente auf der Oberfläche untergebracht sind, desto schwieriger wird es den Überblick zu behalten. Außerdem kann es bei zu eng aneinander liegenden Knöpfen zu ungewollten Doppelauslösungen kommen: man möchte einen Button drücken, erwischt aber zwei.

Eine ausreichende Beleuchtung der Buttons und Potis ist bei leider kaum einem Controller gewährleistet. Vereinfacht gesagt gilt: je mehr Bedienelemente beleuchtet sind, desto besser.

Zu guter Letzt sollte man sich die Haptik des Geräts, also die empfundene Qualität der Bedienelemente betrachten. Das kann man nur beurteilen, wenn man das Gerät in Händen hält. Neben der Verarbeitung sind vor allem die Druckpunkte der Buttons, die Rasterung der Potis sowie das Gewicht und die Lagerung der Jogwheels von essentieller Bedeutung. Ein Vergleich mehrerer Geräte ist fast ausschließlich im Fachhandel möglich. Dafür lohnt sich auch eine weitere Anfahrt.
 
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